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Der 11. September

Da war er wieder, der 11. September.

Eigentlich ging es um unsere Hochzeiten und die ersten bevorstehenden runden Feiern des solchen. Gab es in unserer Clique, mit der wir noch ein letztes Mal in diesem Sommer zum Grillen zusammen saßen, bald tatsächlich schon die erste Silberhochzeit.

Gut, es sei zwar noch ein Jahr hin, aber wir sollten uns den Tag schon mal im Kalender freihalten, gab der Bräutigam stolz zum Besten. Er hatte schon  einige Bier plus Grappa intus, daher verzieh die Braut auch das falsche Datum. Ein eineinhalb Jahre, murmelte sie etwas verstimmt. Aber sie kannte und liebte ihn eben mit seinen Fehlern und Schwächen.

Daher hatten sie es soweit gebracht.

Ein anderes Paar rief: Wir können uns unseren Termin immer gut merken, haben schließlich mit dem Jahrtausendwechsel geehelicht. Also 00…

Meinem Mann fiel dann nichts Besseres ein, als witzig sein zu wollen und schlug zurück: Und wir im Jahr des 11. September.. Werden wir auch nicht vergessen…

Ich grummelte vor mich hin, die meisten lachten. Aber dann begann plötzlich ein verhaltener und düsterer Rückblick.

Wisst Ihr noch, wo Ihr wart? Und wie Ihr es erfahren habt?

Ich hatte tatsächlich den Fernseher laufen, der die Meldung im laufenden Programm mit einem schrillen Signalton und roter Farbe als Untertitel bekanntgab.

Ich schaltetet sofort auf den Kanal von N-TV und  sah mit Schrecken live den zweiten Turmangriff. Das saß mir so in den Knochen, dass ich eine geschlagenen Stunde oder länger auf der Couch vor dem Bildschirm saß und  mit weit aufgerissenen Augen  dachte, was für ein Scheißfilm. Muss Hollywood denn immer perverser werden?

Ich konnte nicht realisieren, was da real passierte. Glaubte an einen neuen Wolfgang Petersen oder Roland Emmerich.

Am Abend ein spontaner Gedenkgottesdienst in unserer Kirche. In der wir doch vor einigen Monaten erst geheiratet hatten und in die wir so glücklich hineingegangen waren…

Dieselbe Kirche erschien mir so dunkel und trostlos, lauter fassungslose Gesichter, als waäre vor unseren Augen ein Kind überfahren worden oder ein Haus niedergebrannt.

Es war so weit weg, Amerika, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Aber nun war es uns, die wir da zusammen in der Kirche um das Taufbecken standen und Kerzen anzündeten, so nah. Und wir Menschen, Bewohner zwar ein und desselben Dorfes, aber manchmal auch fremd oder verstritten, wir waren uns auch nah. Alle trauerten gemeinsam und bewältigten ein Schicksal, das niemand glauben konnte. In einer Kirche, in der wir an einen Gott glauben sollten.

Es hat uns verbunden. Und uns klar gemacht, wie klein und gleich wir alle sind.

8.9.13 14:28
 
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