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Elternabend

Ich hatte weder Zeit noch Lust zum Elternabend.. Die besten Voraussetzungen also für einen schönen Abend!

Seit ich ein Kind habe, wartete ich nun geraume Zeit darauf, endlich mal solch einem schulischen Event beizuwohnen.

Interessierte mich doch die Schule, seit ich jene verlassen hatte so sehr, dass ich selbst Lehrerin geworden bin.

Und nun endlich auf der anderen Seite zu sitzen, finde ich nun mal spannend.

Es geht also los. Vorne aufgebaut Kaffee und Kuchen aus der Packung.

Ganz nett, denke ich mir. Und beschließe, diesen Programmpunkt gleich für meinen nächsten Elternabend mit aufzunehmen. Erstens sind schon mal alle besänftigt und wollen vielleicht gar nicht mehr meckern und zweitens haben sie den Mund voll…

Apropos meckern: Hier meckerte nur einer, und das war die jeweils vortragende Lehrkraft!

Ich bin erstaunt, denke aber: die machen es hier richtig. Machen die Lütten ganz klein, so dass sich keiner mehr was traut zu sagen und reden so viel, dass alle denken „hoffentlich kann ich bald nach Hause“.

Wohlgemerkt wir reden hier von einer ersten Klasse!

Dies sollen die Kinder in der Schule, das Zuhause und wir Eltern haben auch auf jenes zu achten.. Mir wurde vor lauter Pflichterfüllung ganz schwindelig. Aber MEIN Kind macht alles, kann alles und ist auch nicht vorlaut und frech.

Bis der wehrte Herr Klassenlehrer, der eigentlich ein ganz dufter Typ ist, zu einem Punkt kam, der mir dann doch die Hutschnur platzen ließ.

„Das Smartboard, das vorne per PC bedient wird, ist schon kaputt gewesen und das geht nicht! Die Kinder sitzen in der Pause auf der Fensterbank und hören nicht! Das geht so nicht!“ Moment mal, wir sind hier im zweiten Stock und die Kids sitzen auf der Fensterbank??? Ich sah meine Prinzessin schon aus dem Fenster segeln, weil sie natürlich von den bösen Jungs geschubst wurde…!

Automatisch riss ich meinen Arm in die Höhe.

Ja, und obwohl ich es gewohnt bin, vor größeren Menschenmengen, sprich Schulklassen oder Elternschaften zu reden, bin ich trotzdem in solch Situationen aufgeregt.

Und dann noch die Wut dazu! Bevor ich schon recht dran war, plapperte ich lauthals drauflos, von wegen, es kann doch nicht angehen, dass hier keine Zucht und Ordnung herrsche. Die Lehrer beschweren sich, dass der Laden nicht läuft, tun aber nix dagegen. Und die Fenster abzuschließen, bzw. den Klassenraum, das wäre doch wohl ein Leichtes.

Triumphierend schaute ich in die Runde und erhielt stille Begeisterung, die sich in ein allgemein zustimmendes Grunzen und Kopfnicken äußerte.

Na bitte. Hatte ich wieder mal Recht.

Ich mache nochmal den Vorschlag, dass man doch ein Punkte-Belohnungssystem gegen die Unruhe etc. einführen könne (nicht neu, aber pädagogisch hoch wirksam!) und dann brach die Diskussion los. Entsetzt drehte sich eine Mutter um und keifte mir geradezu ins Gesicht, dass das wohl Sache für das Elternhaus sei, die Kinder zu erziehen.

Ich kannte sie nicht. Als ich später nachfragte, wer sie denn sei, verriet mir eine Bekannte, das sei die Mutter von Kevin.

Und Kevin? Richtig! War der größte Störenfried von allen!

Warum wunderte es mich nicht?

 

8.9.13 14:49


Der 11. September

Da war er wieder, der 11. September.

Eigentlich ging es um unsere Hochzeiten und die ersten bevorstehenden runden Feiern des solchen. Gab es in unserer Clique, mit der wir noch ein letztes Mal in diesem Sommer zum Grillen zusammen saßen, bald tatsächlich schon die erste Silberhochzeit.

Gut, es sei zwar noch ein Jahr hin, aber wir sollten uns den Tag schon mal im Kalender freihalten, gab der Bräutigam stolz zum Besten. Er hatte schon  einige Bier plus Grappa intus, daher verzieh die Braut auch das falsche Datum. Ein eineinhalb Jahre, murmelte sie etwas verstimmt. Aber sie kannte und liebte ihn eben mit seinen Fehlern und Schwächen.

Daher hatten sie es soweit gebracht.

Ein anderes Paar rief: Wir können uns unseren Termin immer gut merken, haben schließlich mit dem Jahrtausendwechsel geehelicht. Also 00…

Meinem Mann fiel dann nichts Besseres ein, als witzig sein zu wollen und schlug zurück: Und wir im Jahr des 11. September.. Werden wir auch nicht vergessen…

Ich grummelte vor mich hin, die meisten lachten. Aber dann begann plötzlich ein verhaltener und düsterer Rückblick.

Wisst Ihr noch, wo Ihr wart? Und wie Ihr es erfahren habt?

Ich hatte tatsächlich den Fernseher laufen, der die Meldung im laufenden Programm mit einem schrillen Signalton und roter Farbe als Untertitel bekanntgab.

Ich schaltetet sofort auf den Kanal von N-TV und  sah mit Schrecken live den zweiten Turmangriff. Das saß mir so in den Knochen, dass ich eine geschlagenen Stunde oder länger auf der Couch vor dem Bildschirm saß und  mit weit aufgerissenen Augen  dachte, was für ein Scheißfilm. Muss Hollywood denn immer perverser werden?

Ich konnte nicht realisieren, was da real passierte. Glaubte an einen neuen Wolfgang Petersen oder Roland Emmerich.

Am Abend ein spontaner Gedenkgottesdienst in unserer Kirche. In der wir doch vor einigen Monaten erst geheiratet hatten und in die wir so glücklich hineingegangen waren…

Dieselbe Kirche erschien mir so dunkel und trostlos, lauter fassungslose Gesichter, als waäre vor unseren Augen ein Kind überfahren worden oder ein Haus niedergebrannt.

Es war so weit weg, Amerika, das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Aber nun war es uns, die wir da zusammen in der Kirche um das Taufbecken standen und Kerzen anzündeten, so nah. Und wir Menschen, Bewohner zwar ein und desselben Dorfes, aber manchmal auch fremd oder verstritten, wir waren uns auch nah. Alle trauerten gemeinsam und bewältigten ein Schicksal, das niemand glauben konnte. In einer Kirche, in der wir an einen Gott glauben sollten.

Es hat uns verbunden. Und uns klar gemacht, wie klein und gleich wir alle sind.

8.9.13 14:28


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